Quelle:
http://www.fair-news.de/news/--/63949.html
Atomkraftgegner trauern um CDU-Umweltminister a.D. Dr. rer. nat.
Berthold Budell
(fair-NEWS) - CDU-Ökologe genoß bei den Umweltverbänden
hohes Ansehen
Berlin / Mainz (28. Mai 2010) - Der BUNDESVERBAND CHRISTLICHE DEMOKRATEN
GEGEN ATOMKRAFT (CDAK), CDU/CSU - Mitglieder für die Überwindung
der Kernenergie trauert um Dr. Berthold Budell. Der rührige
Pädagoge und promovierte Biologe Dr. Budell wurde nach der
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl neben dem stellvertretenden DGB-Bundesvorsitzenden
Gustav Fehrenbach, "Report"-Chef Franz Alt, und dem Warendorfer
Schuldirektor Diethelm Gohl Mitbegründer des CDAK-Bundesverbandes.
Als erster Schatzmeister der Atomkraftgegner in der Union hieß
politische Glaubwürdigkeit für Dr. Budell allzeit "zu
tun, was man sagt". Deshalb zögerte der vormalige Umweltminister
keine Sekunde, als es 1988 darum ging, zusammen mit dem Fernsehmoderator
Dr. Franz Alt (Report Baden-Baden) als Kundgebungsredner die erste
"Demonstration von CDU/CSU-Mitgliedern gegen die Risiken der
Atomindustrie" vor dem Kernkraftwerk Kalkar (im Volksmund:
Schneller Brüter) zu organisieren. Dr. Budell insistierte,
daß die CDAK- Kundgebung am Schnellen Brüter mit anschließendem
Schweigemarsch unbedingt mit einem ökumenischem Gottesdienst
auf dem Kalkarer Marktplatz abschloß.
Seine grundlegende Kritik an der Atomindustrie begründete
Dr. Budell stets mit fundierten Argumenten, die er in dem Gebot
fokussierte "DU SOLLST DEN KERN NICHT SPALTEN". Aus seinem
Glauben heraus begründete Dr. Budell sein politisches Engagement.
Inspiriert vom Konziliaren Prozeß der christlichen Kirchen
bedeutete für Dr. Budell die Gremienarbeit in der CDU selbstverständliche
Verpflichtung zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Der Vater dreier Söhne hatte die begnadete Befähigung
junge Menschen mit Humor und pädagogischem Geschick anzuregen,
sich politisch einzubringen. Für das CDAK - Positionspapier
formulierte Dr. Budell "Die Betriebsgenehmigung für den
Schnellen Brüter in Kalkar wird nicht erteilt, die Bauarbeiten
für die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf werden eingestellt."
Mit klaren Positionen und seiner gradlinigen Haltung gelang es Dr.
Budell die wegen negativem Erfahrungshintergrund äußerst
skeptischen Bürgerinitiativen an atomaren Standorten für
die Atomkraftgegner in der Union als Gesprächs- und Bündnispartner
zu gewinnen. Auf der von Dr. Budell geschaffenen Vertrauensbasis
wurde 1989 die CDAK - Klausurtagung gemeinsam mit der Bürgerinitiative
Schwandorf durchgeführt, die sich kreativ und beherzt gegen
den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA) arbeitete.
Dr. Budell tauschte sich in Klausur rege mit dem Chemiker Prof.
Dr. Armin Weiß aus und betonte anschließend für
die Atomkraftgegner in der Union, daß man binnen einer Woche
in Schwandorf viel gelernt habe.
Für Dr. Budell, der Prof. Dr. Weiß nicht nachstehen
wollte, war es daher nur konsequent, daß er sich im August
1989 zur Rheinlandhalle in Mülheim-Kärlich aufmachte und
den Bürgerinitiativen und ihren Rechtsanwälten im atomrechtlichen
Erörterungstermin zum örtlichen Atomkraftwerk demonstrativ
den Rücken stärkte.
Dr. Berthold Budell wurde am 23. November 1929 in Ramstein-Miesenbach
geboren. Nach dem Studium der Biologie, Chemie und Physik an der
Universität Freiburg und erfolgreicher Promotion unterrichtete
er als Lehrer in Homburg, Dillingen und Blieskastel.
Politische Ämter von Dr. Berthold Budell waren:
1964 - 1967 Landesvorsitzender der Jungen Union im Saarland
1965 - 1970 und von 1973 bis 1990 Mitglied des Landtags des Saarlandes
1977
- 1980 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion
Minister für Umwelt, Raumordnung und Bauwesen im 3. Kabinett
Zeyer
Dr. Berthold Budell war im Saarland Gründungsvorsitzender
des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Saar).
Er genoß bei den Umweltverbänden hohes Ansehen und hatte
stets ein offenes Ohr für deren Sorgen und Nöte. Wie kein
anderer hat Dr. Budell in der CDU den Grundstein für die Beachtung
ökologischer Belange durch die Politik gelegt. Lebensmittelpunkt
seiner umweltbewußten Familie war die Kreisstadt Homburg,
wo Dr. Berthold Budell jetzt im Alter von 80 Jahren verstarb. Wir
trauern und gedenken Dr. Berthold Budell dankbar mit aufrichtiger
Anteilnahme.
Petra Pauly
Pressesprecherin
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