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Freilassing (rgz). Die Freilassinger Stadträte
fühlen sich von den Planem der Freibadsanierung „aufs Eis
geführt". Mit diesen Worten beschrieb CSU-Sprecher Klaus
Lastovka am Montagabend sein Befinden: Die Kosten für die Sanierung
des Freibades sind seit März von 4,7 auf nunmehr 5,26 Millionen
Euro gestiegen. Viele Stadträte machten ihrem Ärger laut
Luft - und stimmten dann der Kostenmehrung zu. |
„Wir müssen weiter denken",
forderte FWG-Stadtrat Fritz Braun seine Kollegen auf. Schon einmal
habe der Stadtrat einen Vertrag gekündigt, nämlich den
zur Planung des Naturbades. Und jetzt sollten schon wieder Planer
ausgezahlt werden? Wenn der Stadtrat die Planung stoppe, werde dies
zu einer mindestens zweijährigen Verzögerung führen.
So lange werde man das marode Bad aber nicht weiterbetreiben können.
Man müsste es schließen. Die Planung sei „toll
und modern und wir bekommen ja was für die Mehrkosten".
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„Die Frage ist: Wollen wir ein Bad oder wollen wir keins",
fügte Stadtrat Helmut Furle an, wenn ja, dann auch eins, das
teurer wird, mit den geplanten Attraktionen.
Hans Romstätter habe die Kalkulation wohl einfach von irgend
einem anderen Bad übernommen, dafür werde er jetzt zu
Recht geschimpft, sagte Stadtrat Ludwig Unterreiner und fügte
der Kritik seiner Kollegen einige sehr starke Bemerkungen hinzu.
Trotzdem sei er der Meinung, die Stadt könne sich „ein
g'scheits Bad" leisten, deshalb werde er den Mehrkosten zustimmen.
- „Wir stocken 550.000 Euro auf und haben trotzdem nur fünf
Bahnen", bedauerte Stadtrat Gottfried Schacher-bauer.
"Mit Herzblut"
„Wir planen das mit Herzblut", beteuerte Hans Romstätter,
bei den Kosten sei man halt auf den Markt angewiesen. „Wenn
Sie heute ja sagen, können wir noch diese Woche zu bauen beginnen."
- Und Planer Wach fügte an: „Sie wissen jetzt schon,
dass wir zwölf Prozent daneben liegen. Schlimmer wär's,
wenn wir's Ihnen nächstes Jahr im Juni bei der Abrechnung sagen
würden."
Mit 15 gegen acht Stimmen billigte der Stadtrat die Kostenmehrung
und hielt an den im März bestellten Attraktionen für das
Freibad fest. Hans Romstätter beteuerte, dass das Projekt bereits
zu 80 Prozent ausgeschrieben sei und sich deshalb die Kosten nicht
mehr wesentlich ändern würden. Nach wie vor liege man
im Zeitplan. - Nun können die Bagger anrollen. |
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Schön reden lässt sich die Teuerung nicht.
Auch wenn die offizielle Sprachregelung nun nicht mehr von der Sanierung
des Freibades, sondern von dessen kompletten Neubau spricht - Hans
Romstätter nannte es gar einen „Prototyp", den man
da für Freilassing plane, und äußerte die Hoffnung,
dass „der Stadtrat auch diesmal die Spendierhosen anhat."
- Die Stadträte schimpften ausgiebig über die „schlechten
Planer", auch von einem „Vertrauensverlust" war
da die Rede, zogen aber dann doch, ganz wie von Romstätter
gewünscht, ihre Spendierhosen an: Das Bad wird ganz so —
nur um 556.000 Euro teurer.
Hans Romstätter versuchte gar nicht erst, den Räten
zu erläutern, aus welchen Gründen die Kosten dermaßen
in die Höhe schießen, sondern führte einfach nur
an, welche Attraktionen man streichen müsste, um wieder auf
den Kostenrahmen von 4,7 Millionen Euro zu kommen. Wobei eins sehr
deutlich wurde: Dass die abgespeckte Version mit dem vom Stadtrat
gewünschten Familienbad nicht viel gemein gehabt hätte.
„Grobe Schätzungen"
Wenn der Stadtrat das bestellte attraktive Bad nach wie vor wolle,
dann müsse er dafür 556.000 Euro mehr ausgeben, erläuterte
Romstätter und entschuldigte sich für ein „Kommunikationsproblem":
Er habe es leider im März versäumt, dem Stadtrat klar
zu machen, dass die angegebenen Kosten nur grobe Schätzungen
seien.
„Ich für meine Person stehe für ein gutes ordentliches
Bad ein", eröffnete Bürgermeister Josef Fiatscher
die Debatte. - „Wir fühlen uns aufs Eis geführt",
sagte hingegen CSU-Sprecher Klaus Lastovka und kritisierte die Art
und Wiese, wie Romstätter sich verteidigt hatte: Der Planer
habe im März sehr wohl gewusst, dass 4,7 Millionen Euro die
Obergrenze seien. Und habe beteuert, mit dieser Summe auszukommen.
- Andernfalls hätte der Stadtrat dem Vorentwurf niemals zugestimmt.
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Grünberg: Fehlplanung
SPD-Sprecher Frank Grünberg warf Romstätter eine „völlig
falsche Vorplanung" vor. Vier Millionen Euro habe dieser für
die Sanierung des Bades veranschlagt. Auf dieser Basis habe der
Stadtrat sodann für weitere 700.000 Euro Attraktionen bestellt.
Nicht diese Attraktionen machten nun die Kostenmehrung aus, vielmehr
seien die angegebenen vier Millionen völlig daneben gewesen.
Bei der Wassertechnik wichen die nun genannten Zahlen um rund 50
Prozent von den ursprünglichen ab: Diese Abweichung sei so
groß, dass die Stadt sogar eine Klage in Erwägung ziehen
könnte. „Wir segnen hier letzt-endlich eine Fehlplanung
ab."
„Es ist schon sehr bedenklich, wie wir da vorgeführt
wurden", sagte 3. Bürgermeister Michael Hangl. Selbst
wenn es sich um Schätzkosten gehandelt habe, seien diese von
den Planern doch sehr detailliert angegeben worden. Jetzt frage
er sich, warum die Planer noch vor der Ausschreibung von den höheren
Kosten gewusst hätten.
„Vertrauen weg"
„Die Bürger fragen sich, ob wir im Rat überhaupt
noch ernst zu nehmen sind", sagte Grünen-Stadtrat Bernhard
Schmähl. Der Planer habe „vergessen" dem Stadtrat
mitzuteilen, dass das Bad auch teurer werden könnte. „Für
mich ist an diesem Punkt das Vertrauen in die Planung hinweg."
Ein Ende mit Schrecken sei besser als ein Schrecken ohne Ende. Denn
das Ende der Fahnenstange sei mit dieser Kostenmehrung nicht erreicht.
- „Für mich ist das ganze Projekt obsolet", sagte
Grünen-Stadträtin Elisabeth Hagenauer. Denn die von Romstätter
angeführte Streichliste zu akzeptieren, würde bedeuten,
dass das Bad schlechter würde, als es zur Zeit ist.
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