Freilassinger Anzeiger vom 6. März 2010
Solarmarkt wird kaputt reformiert
Leserbrief zum Artikel „E.ON erhöht Strompreise in Deutschland" vom 16. Februar.
 

Solarmarkt wird kaputt reformiert
Leserbrief zum Artikel „E.ON erhöht Strompreise in Deutschland" vom 16. Februar.

Den schwachen Argumenten zur angekündigten Strompreiserhöhung wegen der Einspeisung erneuerbarer Energien muss energisch widersprochen werden. Der größte Teil unseres Stromes stammt aus Atom- und Kohlekraftwerken, die weitest abgeschrieben sind, trotzdem werden jetzt die Strompreise erhöht. Warum sollten dann die Strompreise bei einer Laufzeit-verlängerung der AKWs gleich bleiben?

Richtig ist, dass der Preis für Strom aus erneuerbaren Energien über das EEG, Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien, gesetzlich geregelt ist. Das ist als Anreizprogramm in einer Marktwirtschaft ein üblicher Vorgang, der hervorragend funktioniert, denn seit 2001 wächst der Markt der erneuerbaren Energien und die Solarstrombranche um etwa 30 Prozent pro Jahr. Das EEG wird von vielen Ländern kopiert, Solartechnologie wird exportiert, wir bleiben führend in Umwelttechnologie.

Aber nein, die im Gesetz festgelegte Reduzierung der Einspeisevergütung von jährlich fünf Prozent wurde für 2010 auf neun Prozent erhöht und soll nun zum 1. Juli um weitere 16 Prozent erhöht werden. Welche Logik steckt dahinter und welcher gesunde Betrieb kann diesem direkten Umsatzverlust standhalten?

Gerade der Solarstrom erzeugt zur Mittagszeit, der Zeit des größten Strombedarfs, die höchste Einspeisung und trägt zur Senkung der Gestehungskosten für Spitzenstrom bei. Warum wird dieser Edelstrom torpediert und ein blühender Markt kaputt reformiert?

Genauso wie früher den Kohlepfennig könnte man den EEG-Zuschlag zum Strompreis als Solarcent ansehen, der etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde beträgt und bei einem Durchschnittshaushalt 2,50 bis fünf Euro im Monat ausmacht. Das Staatsdefizit wird durch diese brutale Senkung der Einspeisevergütung gar nicht entlastet, wie oft vorgegaukelt wird, sondern es ist ein staatlich garantierter Vertrag zwischen Stromkunden und Stromerzeugern.

Fazit: Diese unsinnige Absenkung der Einspeisevergütung könnte den Ausbau der Solarkraftwerke drastisch abbremsen, deutsche Solarfirmen werden in die Pleite getrieben, die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien wird hinausgezögert, der Klimawandel wird angeheizt, und wir Bürger zahlen die Zeche.

Hermann Schubotz, Freilassing

 
vollständiger Leserbrief von Hermann Schubotz