Solarmarkt wird kaputt reformiert
Leserbrief zum Artikel „E.ON erhöht Strompreise in Deutschland"
vom 16. Februar.
Den schwachen Argumenten zur angekündigten Strompreiserhöhung
wegen der Einspeisung erneuerbarer Energien muss energisch widersprochen
werden. Der größte Teil unseres Stromes stammt aus Atom-
und Kohlekraftwerken, die weitest abgeschrieben sind, trotzdem werden
jetzt die Strompreise erhöht. Warum sollten dann die Strompreise
bei einer Laufzeit-verlängerung der AKWs gleich bleiben?
Richtig ist, dass der Preis für Strom aus erneuerbaren Energien
über das EEG, Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien, gesetzlich
geregelt ist. Das ist als Anreizprogramm in einer Marktwirtschaft
ein üblicher Vorgang, der hervorragend funktioniert, denn seit
2001 wächst der Markt der erneuerbaren Energien und die Solarstrombranche
um etwa 30 Prozent pro Jahr. Das EEG wird von vielen Ländern
kopiert, Solartechnologie wird exportiert, wir bleiben führend
in Umwelttechnologie.
Aber nein, die im Gesetz festgelegte Reduzierung der Einspeisevergütung
von jährlich fünf Prozent wurde für 2010 auf neun
Prozent erhöht und soll nun zum 1. Juli um weitere 16 Prozent
erhöht werden. Welche Logik steckt dahinter und welcher gesunde
Betrieb kann diesem direkten Umsatzverlust standhalten?
Gerade der Solarstrom erzeugt zur Mittagszeit, der Zeit des größten
Strombedarfs, die höchste Einspeisung und trägt zur Senkung
der Gestehungskosten für Spitzenstrom bei. Warum wird dieser
Edelstrom torpediert und ein blühender Markt kaputt reformiert?
Genauso wie früher den Kohlepfennig könnte man den EEG-Zuschlag
zum Strompreis als Solarcent ansehen, der etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde
beträgt und bei einem Durchschnittshaushalt 2,50 bis fünf
Euro im Monat ausmacht. Das Staatsdefizit wird durch diese brutale
Senkung der Einspeisevergütung gar nicht entlastet, wie oft
vorgegaukelt wird, sondern es ist ein staatlich garantierter Vertrag
zwischen Stromkunden und Stromerzeugern.
Fazit: Diese unsinnige Absenkung der Einspeisevergütung könnte
den Ausbau der Solarkraftwerke drastisch abbremsen, deutsche Solarfirmen
werden in die Pleite getrieben, die Umstellung der Energieversorgung
auf erneuerbare Energien wird hinausgezögert, der Klimawandel
wird angeheizt, und wir Bürger zahlen die Zeche.
Hermann Schubotz, Freilassing |