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FREILASSING (höf) - Eigentlich
soll ein Biomasse-Heizkraftwerk das Klima in Freilassing verbessern,
meinte Stadtoberhaupt Josef Flatscher in der Sitzung am Montagabend,
stattdessen habe eine „kleine, aber aktive Gruppe das Klima
in unserer Stadt sehr beeinträchtigt". Vier Vertreter der
Freien Wählergemeinschaft (FWG) lehnen das Projekt ebenso ab
wie eine Zusammenarbeit mit der Salzburg AG. Mit diesem Partner aber
soll nicht nur das Kraftwerk die doppelte Leistung der ursprünglichen
Variante erbringen, sondern auch das Fernwärmenetz die zweifache
Länge erhalten. CSU, SPD und Grüne stimmten geschlossen
für eine Kooperation mit der Salzburg AG mit dem Ziel, bereits
2011 mit der Errichtung zu beginnen. Der Standort soll direkt an das
FFH-Gebiet östlich der B20 und nördlich der B304 anschließen.
Der Bürger. werde in den nächsten Monaten das Wort haben,
sagte Josef Flatscher, „aber anders als bei der Unterschriftensammlung
für das Bürgerbegehren wird in der Wahlkabine niemand
daneben stehen". Er und die Mehrheit des Stadtrates glauben
sich auf dem richtigen Weg und sind überzeugt, dass der Großteil
der Bürger ihnen folgen wird - weil eigentlich alles für
dieses Konzept spreche, meint der Bürgermeister. Er zählte
auf: Mit Hackschnitzel verwende man eine einheimische Ressource,
die sonst ungenützt bliebe und unabhängig mache von Zulieferungen
aus politisch instabilen Regionen. „Wir verringern den C02-Ausstoß
und behalten die Wertschöpfung in der Stadt und in der Region."
Eigene Energieversorgung sei ein Standortfaktor, der die wirtschaftliche
Entwicklung positiv beeinflussen werde, so Flatscher. Nicht zuletzt
könnten damit zahlreiche alte fossile Verbrennungsanlagen stillgelegt
werden und der Bürger bekomme eine „komfortable Energieversorgung
ohne Brennstoffvorrat im Haus, ohne Gerüche und ohne Gefahren".
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Vier gegen den Rest (von links): Fritz Braun, Ludwig
Unterreiner, Ludwig Stadler und Hubert Kreuzpointner lehnen die Fernwärme-Versorgung
mit Hackschnitzel ab. Foto: Höfer
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Eine gemeinsame Lösung mit der Salzburg AG
biete weitere Vorteile, ergänzte der kaufmännische Werksleiter
der Stadtwerke, Franz Aicher. Mit der größeren Anlage
verringerten sich die spezifischen Energiekosten; eine Brennwertnutzung
durch Rauchgas-kondensation sei nur bei solchen Großanlagen
wirtschaftlich und bringe hier zusätzlichen Energiegewinn.
Vor allem aber könnten mit dem Verbund saisonale Schwankungen
ausgeglichen werden, denn Salzburg würde im Sommer die überschüssige
Wärme abnehmen. Zusätzliche Einrichtungen für die
Abdeckung der Spitzenlast könnte man sich sparen, denn dann
würde Salzburg liefern.
„Biomasse und Fernwärme hat Zukunft", ist Franz
Aicher überzeugt. Fritz Braun stimmte nur insoweit zu, als
es Freilassing verdient hätte, „ein intelligentes Projekt
zu bekommen". Wie das seiner Meinung nach aussehen sollte,
verriet der Fraktionssprecher der FWG in der Sitzung allerdings
nicht. Er wollte wissen, ob man auch mit anderen möglichen
Partnern außer der Salzburg AG gesprochen habe, zum Beispiel
mit dem Freilassinger Bauunternehmer Max Aicher. „Natürlich
haben wir auch mit Herrn Aicher gesprochen", betonte Bürgermeister
Flatscher, aber kein anderer konnte das bieten wie die Salzburg
AG. „Auch E.ON nicht", verriet Elisabeth Hagenauer von
den Grünen.
„Natürlich wollen die Salzburger einen Nutzen davon-
haben", so Braun, und Verwaltung und Bürgermeister müssten
endlich aufhören, zu sagen, wir machten das Ganze für
Freilassing. „Wenn ich so was höre, dann schüttelt's
mich doch", reagierte Klaus Lastovska mit Unverständnis
und fragte: „Ist Salzburg der Paria (Ausgestoßene)?"
Der CSU-Fraktionssprecher fügte süffisant hinzu: „Übrigens,
in unser Freibad kommen auch Salzburger - da haben wir auch viel
Geld investiert "
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Bernhard Schmähl von der Bürgerliste rechnete:
„Wir zahlen die Hälfte und haben mit 51 Prozent die Mehrheit.
Das heißt: Wir bekommen die Wärme, die wir brauchen,
und geben nur so viel ab, wie wir können. Klar wird das für
uns gebaut." Ob Salzburg das BHKW auch bauen werde, wenn der
Bürgerentscheid dagegen ausfalle, wollte Ludwig Unterreiner
wissen, auch er ein Gegner, der die Mehrheit der Bürger hinter
sich sieht.
„Für uns stellt sich diese Frage nicht", antwortete
Gerald Tscherne von der Salzburg AG, „die Vorteile sind so
überzeugend, dass die Bevölkerung mit Sicherheit dafür
ist." Ausstiegsklauseln gebe es für beide Seiten, so Franz
Aicher, das Bürgerbegehren werde mit diesem heutigen Beschluss
nicht unterlaufen. Unterreiner bohrte weiter: „Ich bezweifle,
dass Salzburg keine Gewinne abschöpft. Die machen das nicht
fürs Klima, die wollen nur die Erlöse aus dem deutschen
Einspeisegesetz mitnehmen." Tscherne mit der Retourkutsche:
„Das machen deutsche Konzerne. Wir investieren bereits seit
den 80er-Jahren in solche Anlagen." Und das Holz für die
Anlage komme aus einem Umkreis von 50 Kilometern, nicht aus Tschechien
oder Rumänien, stellte Tscherne klar.
Etwas Kopfzerbrechen bereitet Bernhard Schmähl und Gottfried
Schacherbauer die Standortwahl nahe des Knotens Freilassing Mitte.
„Diese wertvolle Fläche direkt an einem FFH-Gebiet ist
eigentlich tabu", so Schmähl, „ich kann nur zustimmen,
weil das Gesamtprojekt so attraktiv ist." In einem sogenannten
Okoenergiepark sollen neben dem BHKW eine Biogas-Anlage, eine Stromtankstelle
und eine Photovoltaik-Anlage entstehen (wir berichteten).
Der Freilassinger Stadtrat stimmte mit deutlicher Mehrheit für
die Eckpunkte einer Kooperation mit der Salzburg AG und für
den neuen Standort. Ablehnung kam von den FWG-Stadträten Fritz
Braun, Ludwig Unterreiner, Ludwig Stadler und Hubert Kreuzpointner. |
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