Freilassinger Anzeiger vom 10. März 2010
Biomasse Heizkraftwerk. Stadt holt Salzburg AG ins Boot
Mehrheit im Stadtrat auch für Standort -östlich der B 20 - FWG lehnt weiterhin ab
  FREILASSING (höf) - Eigentlich soll ein Biomasse-Heizkraftwerk das Klima in Freilassing verbessern, meinte Stadtoberhaupt Josef Flatscher in der Sitzung am Montagabend, stattdessen habe eine „kleine, aber aktive Gruppe das Klima in unserer Stadt sehr beeinträchtigt". Vier Vertreter der Freien Wählergemeinschaft (FWG) lehnen das Projekt ebenso ab wie eine Zusammenarbeit mit der Salzburg AG. Mit diesem Partner aber soll nicht nur das Kraftwerk die doppelte Leistung der ursprünglichen Variante erbringen, sondern auch das Fernwärmenetz die zweifache Länge erhalten. CSU, SPD und Grüne stimmten geschlossen für eine Kooperation mit der Salzburg AG mit dem Ziel, bereits 2011 mit der Errichtung zu beginnen. Der Standort soll direkt an das FFH-Gebiet östlich der B20 und nördlich der B304 anschließen.

Der Bürger. werde in den nächsten Monaten das Wort haben, sagte Josef Flatscher, „aber anders als bei der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren wird in der Wahlkabine niemand daneben stehen". Er und die Mehrheit des Stadtrates glauben sich auf dem richtigen Weg und sind überzeugt, dass der Großteil der Bürger ihnen folgen wird - weil eigentlich alles für dieses Konzept spreche, meint der Bürgermeister. Er zählte auf: Mit Hackschnitzel verwende man eine einheimische Ressource, die sonst ungenützt bliebe und unabhängig mache von Zulieferungen aus politisch instabilen Regionen. „Wir verringern den C02-Ausstoß und behalten die Wertschöpfung in der Stadt und in der Region."

Eigene Energieversorgung sei ein Standortfaktor, der die wirtschaftliche Entwicklung positiv beeinflussen werde, so Flatscher. Nicht zuletzt könnten damit zahlreiche alte fossile Verbrennungsanlagen stillgelegt werden und der Bürger bekomme eine „komfortable Energieversorgung ohne Brennstoffvorrat im Haus, ohne Gerüche und ohne Gefahren".

Vier gegen den Rest (von links): Fritz Braun, Ludwig Unterreiner, Ludwig Stadler und Hubert Kreuzpointner lehnen die Fernwärme-Versorgung mit Hackschnitzel ab. Foto: Höfer
 
 

Eine gemeinsame Lösung mit der Salzburg AG biete weitere Vorteile, ergänzte der kaufmännische Werksleiter der Stadtwerke, Franz Aicher. Mit der größeren Anlage verringerten sich die spezifischen Energiekosten; eine Brennwertnutzung durch Rauchgas-kondensation sei nur bei solchen Großanlagen wirtschaftlich und bringe hier zusätzlichen Energiegewinn. Vor allem aber könnten mit dem Verbund saisonale Schwankungen ausgeglichen werden, denn Salzburg würde im Sommer die überschüssige Wärme abnehmen. Zusätzliche Einrichtungen für die Abdeckung der Spitzenlast könnte man sich sparen, denn dann würde Salzburg liefern.

„Biomasse und Fernwärme hat Zukunft", ist Franz Aicher überzeugt. Fritz Braun stimmte nur insoweit zu, als es Freilassing verdient hätte, „ein intelligentes Projekt zu bekommen". Wie das seiner Meinung nach aussehen sollte, verriet der Fraktionssprecher der FWG in der Sitzung allerdings nicht. Er wollte wissen, ob man auch mit anderen möglichen Partnern außer der Salzburg AG gesprochen habe, zum Beispiel mit dem Freilassinger Bauunternehmer Max Aicher. „Natürlich haben wir auch mit Herrn Aicher gesprochen", betonte Bürgermeister Flatscher, aber kein anderer konnte das bieten wie die Salzburg AG. „Auch E.ON nicht", verriet Elisabeth Hagenauer von den Grünen.

„Natürlich wollen die Salzburger einen Nutzen davon- haben", so Braun, und Verwaltung und Bürgermeister müssten endlich aufhören, zu sagen, wir machten das Ganze für Freilassing. „Wenn ich so was höre, dann schüttelt's mich doch", reagierte Klaus Lastovska mit Unverständnis und fragte: „Ist Salzburg der Paria (Ausgestoßene)?" Der CSU-Fraktionssprecher fügte süffisant hinzu: „Übrigens, in unser Freibad kommen auch Salzburger - da haben wir auch viel Geld investiert "

Bernhard Schmähl von der Bürgerliste rechnete: „Wir zahlen die Hälfte und haben mit 51 Prozent die Mehrheit. Das heißt: Wir bekommen die Wärme, die wir brauchen, und geben nur so viel ab, wie wir können. Klar wird das für uns gebaut." Ob Salzburg das BHKW auch bauen werde, wenn der Bürgerentscheid dagegen ausfalle, wollte Ludwig Unterreiner wissen, auch er ein Gegner, der die Mehrheit der Bürger hinter sich sieht.

„Für uns stellt sich diese Frage nicht", antwortete Gerald Tscherne von der Salzburg AG, „die Vorteile sind so überzeugend, dass die Bevölkerung mit Sicherheit dafür ist." Ausstiegsklauseln gebe es für beide Seiten, so Franz Aicher, das Bürgerbegehren werde mit diesem heutigen Beschluss nicht unterlaufen. Unterreiner bohrte weiter: „Ich bezweifle, dass Salzburg keine Gewinne abschöpft. Die machen das nicht fürs Klima, die wollen nur die Erlöse aus dem deutschen Einspeisegesetz mitnehmen." Tscherne mit der Retourkutsche: „Das machen deutsche Konzerne. Wir investieren bereits seit den 80er-Jahren in solche Anlagen." Und das Holz für die Anlage komme aus einem Umkreis von 50 Kilometern, nicht aus Tschechien oder Rumänien, stellte Tscherne klar.

Etwas Kopfzerbrechen bereitet Bernhard Schmähl und Gottfried Schacherbauer die Standortwahl nahe des Knotens Freilassing Mitte. „Diese wertvolle Fläche direkt an einem FFH-Gebiet ist eigentlich tabu", so Schmähl, „ich kann nur zustimmen, weil das Gesamtprojekt so attraktiv ist." In einem sogenannten Okoenergiepark sollen neben dem BHKW eine Biogas-Anlage, eine Stromtankstelle und eine Photovoltaik-Anlage entstehen (wir berichteten).

Der Freilassinger Stadtrat stimmte mit deutlicher Mehrheit für die Eckpunkte einer Kooperation mit der Salzburg AG und für den neuen Standort. Ablehnung kam von den FWG-Stadträten Fritz Braun, Ludwig Unterreiner, Ludwig Stadler und Hubert Kreuzpointner.

 
zurueck
Umwelt-Webdesign-21, Nachrichten aus Agenda21 Umwelt Natur Energie Photovoltaik Solar und Klima
Web: www.umwelt-webdesign.info  | eMail  | Impressum  | designed by Primaweb  | ©1994-2010  | Date: 10.03.2010