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FREILASSING (hud) - Rund 100 Interessierte wollten
am Donnerstag-abend im Rathaus hören, ob das geplante Biomasse-Heizkraftwerk
Vorteile für die Stadt bringt oder nicht. Kaminkehrer-meister
Herbert Wazula und ein Bürgermeister aus Wald im Pinzgau referierten
eine Stunde lang und kamen zu dem Schluss, dass die Vorteile überwiegen.
In der Diskussionsrunde stellten die wenigen erkennbaren Gegner des
Projektes altbekannte Fragen wie zum Beispiel, wie viel Holzschnitzel
tatsächlich aus der Region kommen und ob sich der Strompreis
durch das mögliche Biomasse Heizkraftwerk verteuern wird.
Das geplante Biomasseheizkraftwerk kurz vor der Grenze nach Salzburg
soll einen Teil der Haushalte in Freilassing mit Biowärme versorgen.
Ausserdem wird durch die Verbrennung der Hackschnitzel Strom erzeugt,
der in das öffentliche Netz eingespeist werden soll. Soweit
der Plan von Stadt Freilassing und Salzburg AG. Ernst Wohlschlager
von den Grünen/ Bürgerliste erinnerte zu Beginn der Veranstaltung
die Besucher daran, dass eine Mehrheit im Stadtrat für das
geplante Biomasse-Heizkraftwerk gestimmt habe. Bürgermeister
Josef Flatscher sah sich durch diesen breiten politischen Rückhalt
an den Beginn seiner Karriere erinnert, als er Kommunalpolitik als
Bürgerpolitik und nicht als Parteipolitik proklamierte. Bezirkskaminkehrermeister
Herbert Wazula will sich als Umweltbotschafter verstanden wissen,
in seinem Vortrag spannte er einen Bogen vom Umweltschutz bis zum
Ende der fossilen Energie und zur Versorgungssicherheit.
Sachliche und nachvollziehbare Argumente für die Biomasse präsentierte
Bezirkskaminkehrermeister Herbert Wazula. Fotos: Hudelist |
Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise würden
seiner Meinung nach die Energiepreise wieder steigen, ausserdem
sei der Kohlendioxidgehalt in der Luft merkbar angestiegen. Dass
der Energieverbrauch weltweit ansteige, demonstrierte er mit Grafiken
von der International Energy Agency.
Ausdrücklich wies Wazula darauf hin, dass die erneuerbaren
Energien nicht unendlich verfügbar seien. „Die Kohle
sei noch circa 100 Jahre wirtschaftlich gewinnbar, das Erdgas wird
uns noch in diesem Jahrhundert ausgehen, also in 70 bis 75 Jahren,
und das Oel geht in 40 bis 60 Jahren zu Ende." Bei der Energieerzeugung
in Deutschland sei das Wasser bereits zu 85 Prozent ausgeschöpft,
Biomasse erst zu knapp 45 Prozent. Da der Ölpreis seiner Meinung
nach wieder steigen wird, mahnte der Energieberater, dass man in
Zukunft auf alle Falle den Energieverbrauch senken müsse. Wazula
sprach sich zwar gegen einen Energietourismus aus, wichtig sei allerdings,
wie viele Heizwerke es in der Region gibt. Auf die Frage, woher
denn das Holz komme solle, ging der Experte ausführlich ein.
So stünden in Bayern jährlich 800 Kilogramm lufttrockenes
Holz pro Hektar Wald zur Verfügung. Bei der geplanten Biomasse
von 27.000 Tonnen für das Biomasse-Heizkraftwerk in Freilassing
bedeute das eine Waldfläche von 13,5 ma113,5 Kilometer.
Am Ende räumte Wazula ein, dass er den Freilassingern nicht
vorschreiben wolle, wo sie beim Bürgerentscheid ihr Kreuzchen
machen sollen. „Aber ich finde es toll, dass es keinen Anschlusszwang
geben wird."
Der Bürgermeister von Wald im Pinzgau berichtete, dass es in
seiner Gemeinde keine Stimmen gegen das Biomasse-Heizkraftwerk gab.
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Balthasar Rainer als Langzeit-bürgermeister
von Wald im Pinzgau zeichnete das Bild einer glücklichen 1.200-Einwohner-Gemeinde,
in der es keine Diskussion gegeben habe, ob ein BiomasseHeizkraftwerk
gebaut wird, sondern nur, wo es gebaut werden soll. Nach der Fertigstellung
seien alle Gemeinde-einrichtungen umgerüstet worden, auch die
Bauern in Wald im Pinzgau seien froh gewesen, dass sie ihr Holz
in der eigenen Gemeinde verkaufen können.
Nach knapp einer Stunde geballter und verständlicher Information
startete die Diskussionsrunde mit der Frage, wie viel Hackschnitzel
für das Werk in Freilassing aus Freilassing kommen wurden.
Michael Hangl (SPD) stellte klar, dass es bei circa 500 Hektar Wald
in Freilassing rund 5.000 Kubikmeter Hackschnitzel sein werden,
„der Rest wird aus einem Umkreis von 50 Kilometern kommen,
das hat die Salzburg AG zugesichert". Franz Steindl von der
Salzburg AG sagte, dass man schon Verträge für Freilassing
habe, „es gibt im Chiemgau grosse Waldbestände und auch
mit den Bayerischen Staatsforsten sind wir intensiv in Gesprächen".
„Wie viel kostet der Strom aus dem neuen BiomasseHeizkraftwerk
wirklich?", war eine der weiteren Fragen. Franz Aicher als
Leiter der Stadtwerke Freilassing stellte klar, dass es wegen des
Biomasse-Heizkraftwerks zu keinem höheren Strompreis kommen
werde. „Der Strompreis wird vergütet nach dem EEG-Gesetz,
zudem kann man den Stromanbieter wechseln."
Hermann Schubotz als erklärter Gegner des Biomasseheizkraftwerks
meinte, die Referenten hatten mit ihren Argumenten auch bei den
Gegnern auftreten können. „Dass eine Gemeinde, die Wald
heisst, sich ein Biomasse-Heizkraftwerk baut und mit eigenem Holz
versorgt, liegt auf der Hand, aber bei uns in Freilassing sind die
Verhältnisse eben anders." Seiner Ansicht nach habe es
in Freilassing keine ausreichende Diskussion über das Biomasse-Heizkraftwerk
gegeben, weder über den möglichen Standort, noch über
den generellen Bedarf. |
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