Freilassinger Anzeiger vom 22. Mai 2010
Biomasse Heizkraftwerk: Vorteile für Freilassing und Salzburg
Kaminkehrermeister mit einem flammenden Plädoyer für Biomasse
  FREILASSING (hud) - Rund 100 Interessierte wollten am Donnerstag-abend im Rathaus hören, ob das geplante Biomasse-Heizkraftwerk Vorteile für die Stadt bringt oder nicht. Kaminkehrer-meister Herbert Wazula und ein Bürgermeister aus Wald im Pinzgau referierten eine Stunde lang und kamen zu dem Schluss, dass die Vorteile überwiegen. In der Diskussionsrunde stellten die wenigen erkennbaren Gegner des Projektes altbekannte Fragen wie zum Beispiel, wie viel Holzschnitzel tatsächlich aus der Region kommen und ob sich der Strompreis durch das mögliche Biomasse Heizkraftwerk verteuern wird.

Das geplante Biomasseheizkraftwerk kurz vor der Grenze nach Salzburg soll einen Teil der Haushalte in Freilassing mit Biowärme versorgen. Ausserdem wird durch die Verbrennung der Hackschnitzel Strom erzeugt, der in das öffentliche Netz eingespeist werden soll. Soweit der Plan von Stadt Freilassing und Salzburg AG. Ernst Wohlschlager von den Grünen/ Bürgerliste erinnerte zu Beginn der Veranstaltung die Besucher daran, dass eine Mehrheit im Stadtrat für das geplante Biomasse-Heizkraftwerk gestimmt habe. Bürgermeister Josef Flatscher sah sich durch diesen breiten politischen Rückhalt an den Beginn seiner Karriere erinnert, als er Kommunalpolitik als Bürgerpolitik und nicht als Parteipolitik proklamierte. Bezirkskaminkehrermeister Herbert Wazula will sich als Umweltbotschafter verstanden wissen, in seinem Vortrag spannte er einen Bogen vom Umweltschutz bis zum Ende der fossilen Energie und zur Versorgungssicherheit.


Sachliche und nachvollziehbare Argumente für die Biomasse präsentierte Bezirkskaminkehrermeister Herbert Wazula. Fotos: Hudelist

Nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise würden seiner Meinung nach die Energiepreise wieder steigen, ausserdem sei der Kohlendioxidgehalt in der Luft merkbar angestiegen. Dass der Energieverbrauch weltweit ansteige, demonstrierte er mit Grafiken von der International Energy Agency.

Ausdrücklich wies Wazula darauf hin, dass die erneuerbaren Energien nicht unendlich verfügbar seien. „Die Kohle sei noch circa 100 Jahre wirtschaftlich gewinnbar, das Erdgas wird uns noch in diesem Jahrhundert ausgehen, also in 70 bis 75 Jahren, und das Oel geht in 40 bis 60 Jahren zu Ende." Bei der Energieerzeugung in Deutschland sei das Wasser bereits zu 85 Prozent ausgeschöpft, Biomasse erst zu knapp 45 Prozent. Da der Ölpreis seiner Meinung nach wieder steigen wird, mahnte der Energieberater, dass man in Zukunft auf alle Falle den Energieverbrauch senken müsse. Wazula sprach sich zwar gegen einen Energietourismus aus, wichtig sei allerdings, wie viele Heizwerke es in der Region gibt. Auf die Frage, woher denn das Holz komme solle, ging der Experte ausführlich ein.

So stünden in Bayern jährlich 800 Kilogramm lufttrockenes Holz pro Hektar Wald zur Verfügung. Bei der geplanten Biomasse von 27.000 Tonnen für das Biomasse-Heizkraftwerk in Freilassing bedeute das eine Waldfläche von 13,5 ma113,5 Kilometer.

Am Ende räumte Wazula ein, dass er den Freilassingern nicht vorschreiben wolle, wo sie beim Bürgerentscheid ihr Kreuzchen machen sollen. „Aber ich finde es toll, dass es keinen Anschlusszwang geben wird."


Der Bürgermeister von Wald im Pinzgau berichtete, dass es in seiner Gemeinde keine Stimmen gegen das Biomasse-Heizkraftwerk gab.

Balthasar Rainer als Langzeit-bürgermeister von Wald im Pinzgau zeichnete das Bild einer glücklichen 1.200-Einwohner-Gemeinde, in der es keine Diskussion gegeben habe, ob ein BiomasseHeizkraftwerk gebaut wird, sondern nur, wo es gebaut werden soll. Nach der Fertigstellung seien alle Gemeinde-einrichtungen umgerüstet worden, auch die Bauern in Wald im Pinzgau seien froh gewesen, dass sie ihr Holz in der eigenen Gemeinde verkaufen können.

Nach knapp einer Stunde geballter und verständlicher Information startete die Diskussionsrunde mit der Frage, wie viel Hackschnitzel für das Werk in Freilassing aus Freilassing kommen wurden. Michael Hangl (SPD) stellte klar, dass es bei circa 500 Hektar Wald in Freilassing rund 5.000 Kubikmeter Hackschnitzel sein werden, „der Rest wird aus einem Umkreis von 50 Kilometern kommen, das hat die Salzburg AG zugesichert". Franz Steindl von der Salzburg AG sagte, dass man schon Verträge für Freilassing habe, „es gibt im Chiemgau grosse Waldbestände und auch mit den Bayerischen Staatsforsten sind wir intensiv in Gesprächen". „Wie viel kostet der Strom aus dem neuen BiomasseHeizkraftwerk wirklich?", war eine der weiteren Fragen. Franz Aicher als Leiter der Stadtwerke Freilassing stellte klar, dass es wegen des Biomasse-Heizkraftwerks zu keinem höheren Strompreis kommen werde. „Der Strompreis wird vergütet nach dem EEG-Gesetz, zudem kann man den Stromanbieter wechseln."

Hermann Schubotz als erklärter Gegner des Biomasseheizkraftwerks meinte, die Referenten hatten mit ihren Argumenten auch bei den Gegnern auftreten können. „Dass eine Gemeinde, die Wald heisst, sich ein Biomasse-Heizkraftwerk baut und mit eigenem Holz versorgt, liegt auf der Hand, aber bei uns in Freilassing sind die Verhältnisse eben anders." Seiner Ansicht nach habe es in Freilassing keine ausreichende Diskussion über das Biomasse-Heizkraftwerk gegeben, weder über den möglichen Standort, noch über den generellen Bedarf.

 
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