| Leserbrief zu Artikel: Zusammenarbeit mit der Salzburg AG
vom 5./6. Juni, Fernwärmenutzer sehen Riesenchancen.
Steht der Wahnsinn auch schon vor Freilassinger Türen? Hackschnitzel
für Berlin kommen aus Liberia.
Im genannten Artikel findet sich ein ganz bemerkenswerter Satz,
den ich hier wörtlich zitieren darf: „Die erfahrenen
und kompetenten Fernwärmepartner kaufen die Energie günstiger
ein und bringen ausgereiftes Know-how mit“. Steht damit der
Wahnsinn in Kürze auch vor Freilassinger Türen?
Der Energiekonzern Vattenfall betreibt in Berlin Biomasse—Heizkraftwerke.
Entgegen vorheriger Behauptungen lässt sich ihr Energiebedarf
auch nicht aus dem Umkreis von Berlin stillen, so hat Vattenfall
Afrika im Blick und will in den kommenden Jahren aus Westafrika
eine Million Tonnen Gummibaumhackschnitzel importieren. Diese Entwicklung
lasse sich jeder Befürworter des Heizkraftwerkes in Freilassing
auf der Zunge zergehen, denn die erfahrenen und kompetenten Fernwärmepartner
in Berlin kaufen ebenso die Energie günstiger ein und bringen
Know-how mit. Die Gummibaumplantagen entstanden auf dem Boden gerodeten
Regenwaldes. Hat unser Hunger nach Palmöl zu gigantischen Zerstörungen
der Regenwälder, vor allem in Indonesien geführt, kann
jetzt die zweite Welle in die Entwicklungsländer rollen: Energieholz
für geschönte CO² Bilanzen in unserer Heimat frisst
wieder Regenwälder und wäre für ein mörderisches
Artensterben verantwortlich.
Und ganz nebenbei, in Liberia haben noch immer große Bevölkerungsteile
keinen Strom, sondern kochen mit Feuerholz. Also, dann bleibt bei
den Menschen dort in Zukunft auch noch die Küche kalt?
Sollte man von der Politik nicht Weitblick verlangen können?
In Freilassing scheint aber der kurze Blick zu genügen, denn
der größte Teil des Stadtrates lässt sich von den
Beschwichtigungen der Salzburg AG einlullen, sie könnten aus
50 km Entfernung die benötigte Menge an Energieholz beschaffen.
Das glaubt jetzt selbst Stadtrat Schmähl nicht mehr. Der Preis
wird bestimmen, wo die Hackschnitzel herkommen und man glaubt ja
nicht, woher Holz bezogen werden kann – siehe Berlin. Und
Berlin ist eigentlich gar nicht so weit weg. Über die Tropenholzverbrennung
in Kraftwerken kann man im Regenwaldreport nachlesen, die Geschichte
ist leider nicht frei erfunden.
Heidi Jersch. Freilassing Freilassing 07.06.2010
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